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Asien 2010/11
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Turkmenistan, Usbekistan, Tajikistan, Kirgistan

 

Auf der kürzesten Route durchqueren wir Turkmenistan und müssen dabei aufgrund der grossen Hitze für eine Teilstrecke auf die Eisenbahn ausweichen. In Usbekistan treffen wir Martin's Eltern und verzichten für eine Weile auf das Velofahren und widmen uns dem Sightseeing. Tajikistan beginnen wir mit einem mehrtägigen Trek in den Fan Mountains und fahren dann weiter via Dushanbe in den Pamir. Hier geht's weiter durch das Wakhan-Valley und über den Pamir-Highway nach Kirgistan. Im äussersten Westen erreichen wir schliesslich nach 157 Tagen das Reich der Mitte.

 
 

14. Juli 2010 Zwei Tage brauchen wir von der Pilgerstadt Mashhad bis zur turkmenischen Grenze. Iran verlassen wir mit gemischten Gefühlen: Zum Einen freuen wir uns auf ein neues Land, andere Menschen und auf anderen Saft als süsses Früchtebier. Zum Anderen verlassen wir auch ein Land, das wir inzwischen mit seinen Vorzügen kennen und schätzen gelernt haben. Doch leider mussten wir soeben im Satelliten-TV erfahren, dass in Iran vor kurzem eine Frau wegen Ehebruch zu Tode gesteinigt werden sollte. Dies hinterlässt ein grosses Fragezeichen und ein stark getrübtes Bild. Auf die uns oft gestellte Frage, wie unsere Landsleute über Iran denken, müssten wir vielleicht unsere Standard-Antwort entsprechend anpassen...

Nun sind wir aber mit etwas Bakschisch und Geduld in Turkmenistan angekommen. Trotz vergleichbarer Landschaft könnte die Stimmung unterschiedlicher nicht sein: Mühsames Beamtentum an der Grenze und an den darauf folgenden Strassenkontrollen. Die Uniformierten sind zwar freundlich, lassen uns aber auch deutlich spüren, dass wir auf sie angewiesen sind. Im krassen Gegensatz dazu erleben wir jedoch die turkmenische Landbevölkerung in den Dörfern. Hier ist vom Staatsapparat wenig zu spüren und wir werden von freundlichen und interessierten Menschen empfangen und in den Dorfläden wird uns oft noch etwas gratis dazu gegeben. Velotouristen sind nebst ein paar türkischen und iranischen Lastwagenfahrern wohl praktisch die einzigen Ausländer, die man hier zu Gesicht bekommt.

Die miserable Strassenqualität riecht allerdings richtiggehend nach Korruption. Das der öffentlichen Infrastruktur zugewiesene Budget fliesst wohl eher in gut gefederten Luxuskarossen denn in Strassenbauprojekte. Wegweiser und Strassenschilder werden zudem fast vollständig "weggespart". Unglaublich, aber in Richtung usbekische Grenze führt zum Beispiel nur eine unauffällige und unmarkierte Strasse geradewegs hinaus in die Wüste! Dank hilfsbereiten Menschen und GPS finden wir aber trotzdem immer wieder den richtigen Weg.


Turkmenistan gilt als das heisseste Land Zentralasiens! Und das spüren wir nur allzu gut. Die Nachmittagshitze steigt regelmässig auf 42°C im Schatten, welchen wir nur in den bewässerten Gegenden in Form von ein paar wenigen Bäumen finden. Die weiten Strecken durch nur mit niedrigem Buschwerk bewachsenen Sandwüsten werden zu anstrengenden Etappen. Hier ist an Velofahren zur Zeit nur von Sonnenaufgang um fünf Uhr in der Früh bis um etwa elf Uhr zu denken. Vorher zu gefährlich, danach zu heiss, gepaart mit noch stärkerem Gegenwind. Zudem ist abends vor zehn Uhr nicht an Schlaf zu denken, und so können wir uns für die eigentlich notwendigen langen Etappen kaum ausreichend erholen. Mit etwas Wehmut beschliessen wir in der Stadt Mary, für die nächste Strecke nach Turkmenabat den Nachtzug zu nehmen. Gerne hätten wir doch eigentlich die über zweihundert Kilometer "richtige" Wüste am Stück erlebt.

Die sowjetischen Städte bieten uns nicht gerade eine grosse Aufenhaltsqualität: Eine überteuerte Absteige, die ihre quasi-Monopolstellung dank Lonely-Planet ausnutzt und ein paar oberflächliche Gespräche mit Händen und Füssen. Immerhin geniessen wir in den Restaurants eine uns neue Küche, und dazu endlich unser erster richtiger Hopfensaft, kühl und in der Kehle prickelnd!

und das ist uns sonst noch aufgefallen:

 

  • Wasserflaschen gibt es zu 1.5 Kubikdezimeter [dm³], wir trinken trotzdem literweise
  • Turkmenen trinken lieber Vodka wie Bier, oder wenigstens Vodka zu Bier (auch literweise)
  • Verkehrsschilder und gute Strassen sind praktisch inexistent
  • genauso wie Abfalleimer (und es ist trotzdem erstaunlich sauber)
  • nicht als sauber bezeichnen kann man dagegen die öffentlichen Toiletten (die überbieten sogar die chinesischen, und das soll was heissen!)
  • alle Turkmenen lieben Michael Jackson (und sind sich nicht ganz sicher, ober er wirklich schon gestorben ist)
  • Zugbillette werden von Hand gestanzt oder mit der grossen Schere an der korrekten Stelle des Rasters für Waggon- und Sitzplatznummer zugeschnitten (und dies ist nebst dem müden Beamtentum der Grund, weshalb man für sein Ticket eineinhalb Stunden einplanen soll)
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6. August 2010 Schon kurz nach unserem Grenzübertritt kommen wir als Zuschauer in Genuss einer ausgelassenen Hochzeitsfeier. Hochzeiten sind hier zur Zeit offenbar trendy und die unzähligen Brautkleiderläden zeugen von einem lukrativen Wirtschaftszweit. Eigentlich wollten wir ja nur ein kaltes Cola um unseren Zuckerspiegel wieder auf Normalpegel zu heben, bleiben aber dann doch zu Samsa und Bier. Plötzlich werden viel zu grosse Lautsprecher, Mikrofon und Keyboard installiert. In Kürze soll hier eine Hochzeitsfeier steigen! Kein Problem, alles Routine. Weiterfahren oder Hochzeit schauen? Wir flüchten auf die schattige Dachterrasse mit bestem Blick auf die Szenerie im Hof und wenig später trifft auch tatsächlich die bunte Gesellschaft ein. Das Brautpaar wird zum vorbereiteten Sofa geführt, hinter Plastiktisch mit Tiegerdecke. Auch die Gäste nehmen Platz, auf Plastikstühlen an Plastiktischen. Die Braut verbeugt sich mit ihrem weissen Schleier unablässig, marionettenhaft, wie in Trance. Ihr Bräutigam steht daneben, etwas hilflos und unsicher. Überhaupt scheint es, das Fest wird vorallem von den Frauen gelebt; sie machen sich über Suppe und Samsa her und tanzen zur viel zu lauten Livemusik. Die Männerrunde am seperaten Tisch lässt das alles kalt und frönt dem Vodka.

 

 

In Bukhara treffen wir uns mit Martin's Eltern. Zusammen werden wir die nächsten drei Wochen verbringen. Für uns bedeutet dies, dass wir dem Velo während dieser Zeit weitgehend untreu werden und vermehrt mit Zug und Taxi unterwegs sind. Von Bukhara sind wir ziemlich überrascht: Die Altstadt ist vollständig auf Touristen ausgelegt und pikfein herausgeputzt. Schon fast zu sehr, wie wir meinen. In den alten Bazaren werden ausschliesslich Souvenirs angeboten. Hier lebt der gewöhnliche Alltag in der sowjetischen Neustadt. Nichts ist vom Treiben zu spüren, das wir uns von den iranischen Bazaren gewohnt sind. Aber das fehlende Flair wird von den herausragenden alten Bauten aufgewogen: Moscheen und Medresen mit reich verzierten Portalen und Kuppeln zeugen von vergangenem Reichtum an der legendären Seidenstrasse.


 

Ebenso Samarkand, die zweite der grossen Städte an der alten Seidenstrasse: Die prächtigen Bauwerke, allen voran der berühmte Registan, stehen isoliert und museal im Stadtbild. Umringt werden sie von neu angelegten grünen Parks, mit englischem Rasen, welcher aber auf keinen Fall betreten werden darf. Hier wurden ganze Wohnquartiere dem Erdboden gleich gemacht, die Bewohner zwangsumgesiedelt und an gleicher Stelle neue Restaurants und Souvenirshops mit Glasfassade errichtet. Die belebten Quartiere wurden dagegen hinter genügend hohen Mauern versteckt. Der neuste Wurf der Stadtherren wurde erst diesen Frühling fertiggestellt. Schön zu sehen, dass sich die Familie des empfehlenswerten Hotels Antica für die fachgerechte Restaurierung ihres alten Stadthauses einsetzt.
Trotz allem haben die sanierten Prachtsbauten dem interessierten Besucher einiges zu bieten, und das geschäftige Treiben findet man etwas versteckt, aber gleich nebenan in den dörflichen Wohnstrassen oder auf dem Bazar.
Zwischendurch bringen wir unsere Velos wieder in Schuss, wechseln Kette und Öl für die nächsten paar tausend Kilometer.

 

 

Dem Sightseeing und Stadtleben überdrüssig, entschliessen wir uns für einen Dreitagestrip in das Nuratau-Kyzylkum Biosphäre Reservat. Dieses beinhaltet auch ein unterstützenswertes genossenschaftlich organisiertes Tourismus Projekt (siehe www.nuratau.com). Hier werden wir im Dorf Eski Forish von der Gastfamilie mit feinstem Essen verwöhnt und geniessen die Ruhe im grünen Garten auf dem riesigen Tabchan, dem mit Teppich und Kissen ausgelegten Podest. Am Morgen, noch vor der grossen Hitze, unternehmen wir Wanderungen über abgeweidete Hügel und in grüne Seitentäler, den Nachmittag verbringen wir mit lesen und auspannen.

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Fan Mountains

6. August 2010 Den Grenzübergang nach Tajikistan bewältigen wir wieder auf unseren Velos, welche wir auch gerade für eine inoffizielle Gebühr von 8000 usbekischen Sum (ca. 4 Franken) im neuen Land "immatrikulieren" müssen. Na ja, das liegt noch drin!
In Penjikent organisieren wir im neuen Tourismusinformationszentrum Transport, Koch und Esel mit Eselmann für eine 5-tägige Wanderung in den Fan Mountains. Die genossenschaftlich organisierte Tourismusgesellschaft (siehe www.ztda-tourism.tj) verfügt über eigene Gasthäuser bei Familien in den Bergdörfern und bietet damit den abgelegenen Regionen eine willkommene Einnahmequelle. Über mehrere hohe Pässe gelangen wir zu unglaublich türkisblauen Bergseen, wandern durch Wachholderwälder und stehen Angesicht zu Angesicht mit den mächtigen Fünftausendern. Wir freuen uns, endlich wieder in Bewegung zu sein und das beste Wasser seit langem trinken zu können. Zudem wird es höchste Zeit, mal wieder was für unsere Fitness zu tun; bei Martin zeigen sich schon die ersten Anzeichen von einem Bäuchlein... kaum zu glauben, aber die fettigen Schaschlike und der ölige Plov haben's in sich!

Nach knapp drei Wochen verabschieden wir uns von Martin's Eltern und starten in Richtung Dushanbe. Streckenmässig eingentlich nicht weit, aber die miserable Strasse zwischen Penjikent und Aini, sowie der 3373 Meter hohe Anzob Pass mit einer ebenso schlechten Strasse brauchen Zeit und Energie. Noch bis 2006 war der Pass Teil der Hauptverbindungsstrasse zwischen Nord und Süd. Heute werden die Löcher zwischen den allerletzten Asphaltresten mit grobem Schutt gefüllt und die 1400 Höhenmeter ab Anzob sind nur noch knapp mit dem Velo fahrend zu bewältigen. Aber wir haben's geschafft und geniessen einen Campingplatz mit wunderbarem Ausblick, bevor wir in die Hauptstadt Dushanbe fahren, um unser Tajikistanvisum verlängern zu lassen.

 

In Tajikistan fällt uns besonders das für uns ungewohnte Strassenbild auf: Während in Usbekistan noch vorwiegend Daewoos und Chevrolets aus eigener Produktion neben alten Ladas fahren, ist in Tajikistan das Strassenbild vorallem durch gebrauchte Opel und Mercedes geprägt. Daneben immer wieder die neuen weissen Geländewagen der ausländischen Organisationen wie Deutsche Welthungerhilfe, UNO, OECD, Caritas und anderer NGOs - und paradoxerweise auffällig viele Gelände-Luxusschlitten wie BMW X6 und Porsche Cayenne GTS! Die Mohnfelder Afghanistans sind nicht mehr weit...

 

 

Und da ist noch was zum Strassenbild: Irgendwie haben wir das Gefühl, dass halb Europa mit dem Velo in Richtung Pamir unterwegs ist. Wir sind nicht alleine...


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Visa-Geschichten Teil 4

11. August 2010 Dieser Bericht dient in erster Linie der persönlichen Vergangenheitsbewältigung. Doch von vorne: Hätten wir vorher gewusst, dass für Tajikistan problemlos ein 45-Tages-Touristenvisum zu bekommen ist, hätten wir dieses selbstverständlich beantragt. Hätten. Wir aber waren gemäss unseren Informationsquellen der Meinung, dies sei zur Zeit umöglich.
Also. Wir fahren nach Penjikent und melden uns bei einer Travel-Agency, damit diese während unserer Fahrt nach Dushanbe eine Visum-Verlängerung organisieren kann. Wir kommen Tage später in der Hauptstadt an und treffen uns mit dem Agent. Dieser aber braucht für das Antragsformular zusätzlich unsere Passfotos, und hat demzufolge die Anträge nicht eingereicht. Das war dienstags. Am Freitag können wir die Visa abholen, vielleicht. Aber selbstverständlich sind diese nicht bearbeitet. Am Montag, vielleicht. Wir aber wollen nicht hier in Dushanbe rumsitzen sondern Velofahren. Dazu sind wir ja schliesslich den weiten Weg hergekommen. Und so beschliessen wir, schon mal in das 200 Kilometer entfernte Kulob zu fahren, und am Montag mit dem Taxi wieder her zu kommen.

 

Gesagt, getan, und wir nehmen am frühen Montag Morgen eines der ausgemergelten Taxis. Nach zwei Stunden Fahrt röchelt der Motor und stellt mitten in einer langen Steigung ab. Kein Benzin mehr. Also geht unser Fahrer mit dem Plastikkessel auf Wanderschaft. Einen halben Liter bekommt er als Gegenleistung für Werkzeug, um dem anderen Pannenfahrzeug den Keilriemen auszubauen. Die halbe Flasche reicht gerade, um einige Minuten mit Bleifuss den Anstieg in Angriff zu nehmen. Wir kommen immerhin über unseren letzten Standort hinaus, als abermals der Most ausgeht. Als ein Auto stoppt, wird sofort der Vergaser ausgebaut und mit Hilfe des Anlassers ein Liter Most aus dem Benzinschlauch gepumt. Wenigsten lernt man hier was praktisches dazu! Von einem weiteren Anhalter bekommen wir einen zweiten Liter direkt aus dem Tank. Doch uns ist das zuviel, unsere Nerven machen das nicht mit. Wir müssen umbedingt um zwei Uhr nachmittags vor dem Konsulat stehen. Glücklicherweise bringen wir einen modernen Toyota Landcruiser zum Halten und wir dürfen die noch fehlenden zwei Stunden bis in die Hauptstadt mitfahren.

 

Wir schaffen es, uns pünktlich in die Warteschlange vor dem Konsulat zu stellen. Doch unser Agent lässt eine weitere halbe Stunde auf sich warten. Als wir endlich Einlass kriegen, erfahren wir schnell, dass unsere Visa frühestens mittwochs bereit seien, vielleicht. Das geht ja wohl gar nicht, wir kommen extra zurück, und nichts ist geschehen! Dank etwas diplomatischem Geschick unseres Helfers dürfen wir wenigstens noch den fälligen Betrag einzahlen und unsere Pässe abgeben. Aber auch in Tajikistan geschehen kleine Wunder: Als wir frustriert ins Hotel zurückkehren, ist tatsächlich in der Etagendusche eine neue Brause montiert. Also wenigsten gibt es heute eine anständige Dusche :-)

 

Heute Mittwoch: Um drei Uhr nachmittags haben wir uns erneut verabredet. Die Stunde der Wahrheit. Und man glaubt es kaum - die zwei roten Pässe sind tatsächlich mit dabei! Jetzt brauchen wir nur noch das verlängerte GBAO-Permit für den Pamir, welche unser Agent unmittelbar organisieren kann. Wir sind unglaublich erleichtert und fahren morgen früh mit dem Taxi wieder nach Kulob, von wo aus wir nach Khorog weiterfahren. Endlich.

Fazit: 14 Tage Verlängerung kosten uns mindestens 7 Tage Wartezeit und total rund 130 Dollar. Hotel, Taxi und Beruhigungsbiere nicht eingerechnet.

 

Eine Notiz danach: Da wir nun über je ein separates 30- und 14-Tage-Visum verfügen, mussten wir uns nicht bei OVIR registrieren. Damit haben wir ca. 60 Dollar "gespart".

 

 

NEU ab 27. Juli 2012: 60 Tage ohne Visum nach Kirgistan! siehe: www.kyrgyzmission.net

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Abfahrt vom Khargush Pass

12. Septemter 2010 Im Wissen um genügend verbleibende Tage im Visum können wir endlich in Richtung Pamir aufbrechen. Das Pamirgebirge gehört zusammen mit dem tibetischen Hochplateau und dem Himalaya zum "Dach der Welt" und liegt durchschnittlich auf etwa 4'000 Meter über dem Meeresspiegel. Das Sauerstoffgehalt der Luft ist hier nicht gerade mit dem von gemütlichen Strandferien zu vergleichen. Und trotzdem wollen wir da hin, aus eigener Muskelkraft. Diese karge Bergwelt mit den farbigen Bergen, dem tiefblauen Himmel und den noch blaueren Seen war und ist eines der Hauptziele unserer Reise.

Alichur Pamir

Doch erst gilt es dahin zu kommen. Die ersten Tage nach Dushanbe zeigen sich von der bekannt heissen und trockenen Seite. Kaum Wasser, kaum Schatten, und auf längeren Abschnitten kaum Asphalt. Die chinesischen Arbeiter sind fleissig am Strassenbau, und wir sind wieder mal ein paar Monate zu früh da.

 

Über einen Pass gelangen wir schliesslich in das Tal des Panj, dem Grenzfluss zum südlich davon gelegenen Afghanistan. Lange haben wir auf diesen Moment gewartet. Die folgenden 50 Kilometer lassen uns allerdings kaum Zeit, das Treiben in den einfachen Bergdörfern jenseits des Flusses zu beoabachten. Die Piste ist in einem derart schlechten Zustand, dass sie uns die volle Konzentration abverlangt. Wir werden in das Camp von Minenräumern zum Zmittag eingeladen. Für die Suppe ist es eigentlich zu heiss, über die kühle Wassermelone freuen wir uns aber sehr! Die Soldaten unter der Leitung der Swiss Foundation for Mine Action FSD säubern in mühsamer und extrem gefährlicher Kleinarbeit die Uferregion von hunderten Personenminen aus dem Sowjet-Afghanistan-Krieg. Wieder im Sattel wollen wir uns noch einige Kilometer weiter kämpfen. Erst kurz vor dem Eindunkeln finden wir ein ungefährliches Plätzchen und vorallem endlich Wasser. Über 7 Stunden sind wir heute im Sattel gesessen - Rekord!

 

Die folgenden 350 Kilometer bis Khorog folgen wir dem Panj - die selbe Distanz wie von Genf ins Val Müstair. Links Berge, rechts der wilde braune Fluss und die Sicht auf das ebenso wilde afghanische Bergland. Auf beiden Seiten liegen kleine Dörfer wie grüne Oasen jeweils da, wo ein Bergbach aus einem Seitental frisches Wasser bringt. Der Haken daran: Die Dörfer liegen damit auch auf deren Schwemmkegel. Und zwar genau so, dass wir jedes mal auch einige steile Höhenmeter zu bewältigen haben - total über 4'000 an der Zahl! Der Strassenzustand ist dabei auf weiten Strecken sehr schlecht. Lange Schotter- und Wellblech-Passagen zehren an den Kräften. Eine wunderbare Ausnahme bilden dabei die 37 Kilometer feinsten original-iranischen Asphalt zwischen Zigar und Yoged. Wie Veloferien - Zeit zum Geniessen!

 

In Khorog legen wir einen Pausentag ein, kaufen neue Vorräte ein und essen beim Inder endlich mal was anderes als Kartoschka, Shorpa oder Plov, d.h. Kartoffeln, Suppe oder Reis, jeweils mit gädrigem Geissen- oder Schaffleisch. Hier treffen wir auch wieder auf Andy und auf Wädi, der die letzten Tage mit Jens, Kerstin und Andi unterwegs war (siehe Begegnungen). Khorog ist der Ort, wo sich zwangsläufig der ganze Velo-Filz trifft und Erfahrungen austauscht.

 

Nach langem hin und her entschliessen wir uns, den Pamir-Highway nicht sofort in Angriff zu nehmen, sondern den "Umweg" durch das abgeschiedene Wakhan-Tal zu fahren. Die Strasse ist entgegen unseren Befürchtungen für die ersten 150 Kilometer viel besser als angenommen und Velofahren macht wieder richtig Spass. Aber das ist es dann auch gewesen mit gemütlichem dahinradeln; tiefer Kies, Sand und die berüchtigten Wellblechpisten werden zu treuen Begleitern... Dafür zeigt sich das Tal erstaunlich grün, goldene Weizenfelder werden in Handarbeit geerntet, und die weissen Eisriesen des Hindukusch zeigen sich von ihrer besten Seite. Zudem werden wir von der extrem freundlichen Bevölkerung immer wieder zu Tee in ihre wunderbaren Pamirhäuser eingeladen. Die hier ansässige Bevölkerung gehört zu den Ismailiten, die wir schon im Hunzatal in Pakistan kennengelernt haben. Bildung und Entwicklung werden hochgehalten. Die Kinder lernen in der Schule Englisch und testen ihr Neugelerntes an uns Touristen. Unterstützt werden sie dabei von ihrem religiösen Oberhaupt, dem in der Schweiz geborenen Aga Kahn und dessen hier allgegenwärtigen Hilfsorganisation AKDN. Obwohl die Dörfer eigentlich bitterarm sind und es in den kleinen Läden nicht viel mehr als Biscuits, Süssigkeiten und ein paar Flaschen bunte Getränke zu kaufen gibt, werden fleissig neue Häuser gebaut. Es braucht hier nicht viel, um glücklich zu sein.

 

Ab dem Dorf Langar, genau da wo der Panj durch die beiden Zuflüsse Pamir und Wakhan gebildet wird, verlassen wir das Tal und fahren, respektive schieben unser Velo auf fast 4'000 Meter Höhe. Noch vor dem Khargush-Pass kommen wir schliesslich in eisig kalten Nieselregen. Nach nur 20 Kilometer stellen wir erschöpft und mit klammen Fingern unser Zelt auf, kochen Tee und Nudelsuppe - und warten auf bessere Zeiten. Der Morgen danach zeigt sich dafür um so prächtiger: Die umliegenden Berge sind frisch verschneit, der Himmel stahlblau, Eiskristalle am Zelt. Der Pass wird zum landschaflichen Highlight. Die folgende Waschbrett-Fahrt weniger...

7'000 Kilometer

Wir erreichen müde den Pamir Highway und lassen unseren ursprünglichen Plan fallen, nochmals auf Schotterpiste zum Bulunkul See zu fahren. Nach 170 Kilometer Piste erliegen wir der Verlockung, auf Asphalt und mit Rückenwind über die Hochebene zu fliegen!

 

Tornado am Grenzzaun zu China

In Murgab treffen wir wiederum auf Andy und Andi, sowie auf die Polen Ania und Robb. Wir geniessen hier einen Ruhetag und die erste heisse Dusche seit langem :)

Andy wartet hier, bis er endlich nach xxxxing country that cannot be named (andere nennen es Kirgistan) einreisen darf. Wir anderen fahren nun gemeinsam weiter: Wir überqueren einige hohe Pässe, campieren in atemberaubender Landschaft und geniessen die Gesellschaft.

 

Entlang des Grenzzauns zu China durchqueren wir das Hochtal der Markansu Wüste. Angeblich bedeutet dies in kirgischer Sprache «Bach der Tornados». Tatsächlich bekommen wir eindrückliche Wirbelwinde zu Gesicht, die sich mal hinter, mal vor dem Stacheldrahtzaun bewegen, bevor sie sich wieder ins Nichts auflösen. Das Klima dieser relativ kleinen Wüste gilt als eines der extremsten weltweit: Die weniger als 30 Millimeter Niederschlag pro Jahr sorgen dafür, dass der Bach praktisch ständig ausgetrocknet ist. Das Klima auf viertausend Metern Höhe sorgt für Temperaturen von -60 Grad im Winter und für Oberflächentemperaturen von 60-70 Grad im Sommer... Da haben wir ja nochmals eine eher angenehme Zeit erwischt!

 

 

Zelten in Kirgistan

Mit dem Kizil Art Pass (4'336m) überqueren wir die Gebirgskette mit dem 7000er Pik Lenin, der seine Eiswüsten dank fantatischem Wetter hervorragend zeigt. Schliesslich stehen wir nach 44 Tagen in Tajikistan an der kirgisischen Grenze. Dieser letzte Pass bildet eine überraschend grosse Grenze für Vegetation und Tierwelt und wir staunen über saftige Grasebenen, auf denen Schafherden, Pferde und Esel weiden. In der Zwischenzeit ist unsere Gruppe grösser worden. Cédric und Christophe aus Frankreich sind auf ihrer Passabfahrt zu uns gestossen, und wir fahren von nun an in einem Peloton von sieben vollbeladenen Velos. Nach nur zwei Tagen verlassen wir leider Kirgistan schon wieder. China, wir kommen!

 

 

 Markansu Wüste auf www.wondermondo.com

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 © weitweg.ch | letzte Aktualisierung: 06.08.2012