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Asien 2010/11
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Türkei

 

Mit der Fähre verlassen wir in Istanbul definitiv den europäischen Kontinent und fahren durch abwechslungsreiche Landschaften nach Ankara. Hier beantragen wir die letzten Visa und fahren dann weiter nach Kappadokien und ins kurdische Südostanatolien. Entlang des geschichtsträchtigen Berges Ararat verlassen wir die Türkei in Richtung Iran.

 
 

Visa-Geschichten Teil 2
12. Mai 2010
Nebst dem guten Argument, uns in Istanbul ein paar Ruhetage zu gönnen, wollen wir uns vorallem um die noch fehlenden Visas kümmern. Obwohl wir (von hier) eigentlich wissen, dass das usbekische Konsulat donnerstags geschlossen hat, wollen wir es trotzdem versuchen. So fahren wir raus nach İstinye und spielen beim Portier die Unwissenden. Heute geschlossen. Nach einigem Nachbohren dürfen wir trotzdem vier Stunden später nochmals vorbeikommen und werden (nach weiterem Warten) auch tatsächlich zum Visabüro vorgelassen. Dann der Fehler: Die Türe steht offen, wir klopfen an, und treten vorsichtig ein. Kurz darauf kommt ein vollig verdatterter Herr in Anzug aus dem Nebenraum und macht uns unmissverständlich klar, dass er der Herr Vize-Konsul sei und dieses Büro sein Büro ist. Sofort wieder raus! Hier herrschen European Standards! Nach einigem unschuldigem Geplänkel unsererseits verlassen wir das Konsulat. Hätte ja sein können. Dann eben morgen wieder.



Also fahren wir tags darauf wieder eineinhalb Stunden in das übrigens recht angenehme koloniale Aussenviertel am Bosporus und versuchen es diesmal ganz offiziell. Nach unserem Betteln nach Express-Bearbeitung dürfen wir für je 110 USD auf eine Bewilligung innert "nur" 3 Arbeitstagen hoffen. Dummerweise fällt das Wochenende dazwischen. Wir sollen aber doch montags mal anrufen. Das tun wir und werden auf Dienstagmorgen vertröstet, am Dienstagmorgen wiederum auf den Nachmittag, und dann auf Mittwochmorgen. So fahren wir mittwochs wieder hin. Der Herr Vize-Konsul hat uns immer noch nicht gern und meint, wir sollen um drei Uhr nachmittags wieder kommen. Dann aber, nach einigem Bitten und nach langem Warten bekommen wir tatsächlich wortlos die Visas ausgehändigt. European Standards eben. Nur komisch, dass der Engländer vor uns sein Visum innert einer Stunde gekriegt hat (für die volle Jahresgebühr bekam er die Bewilligung für drei Monate...nein, von Korruption keine Spur!).

Jetzt hat das turkmenische Konsulat am anderen Ende der Stadt natürlich bereits geschlossen und öffnet erst übermorgen wieder. Wir sind jetzt bereits eine Woche in Istanbul und haben langsam genug von Touristenströmen und überteuerten Restaurants. Istanbul ist ja nicht gerade ein günstiges Pflaster zum Rumsitzen und Tee trinken. Hier herrscht mindestens das doppelte Preisniveau gegenüber dem Landesdurchschnitt. Also verlassen wir noch am gleichen Abend die Stadt und fahren mit der Fähre über das Marmara-Meer nach Asien. Wir wollen unser Glück für Turkmenistan und Tajikistan in Ankara versuchen.
Einen Vorteil der Visabeschaffung wollen wir aber trotz allem hervorheben: Man lernt Stadtteile kennen, in die man sonst als Tourist kaum gekommen wäre. Und diese bieten meist ebenso viel Erholungsqualitäten wie die Stadtzentren. Zudem sind die Stadtrundfahrten im Linienbus günstiger wie in den Touristenbussen. Und wenn man aus Versehen nicht den direkten Kurs genommen hat - auch deutlich umfangreicher :)

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Rom, Korsika, Ladakh, und etwas Monument valley
13. Mai 2010
Mit der Schnellfähre über das Marmarameer verlassen wir definitiv Europa und setzen unsere Räder auf asiatischen Boden. Durch nicht enden wollende Olivenhaine fahren wir nach İznik, eine ehemalige Römerstadt. Eigentlich wollen wir etwas ausserhalb unser Zelt aufschlagen. Doch bei unserer Stadtrundfahrt winkt uns der Bademeister zu und will uns "seinen" Hamam zeigen. Obwohl eigentlich heute Männertag ist, dürfen wir zusammen einen Blick ins Innere werfen. Er meint, er könne das ganze Bad heute von sieben bis acht Uhr für uns reservieren, kein Problem. Wieso eigentlich nicht? So nehmen wir ein Zimmer, und lassen uns zu versprochener Zeit bis auf die Knochen durchmassieren (man könnte aus sagen malträtieren...). Der massige Masseur (wahrscheinlich heisst dieser deshalb so) arbeitet mit vollem Körpereinsatz. Trotzdem verspüren wir am nächsten Tag keine Spätfolgen.







Für die Strecke nach Ankara haben wir nicht die schnellste, aber wie es sich nun zeigt, eine landschaftlich attraktive und abwechslungsreiche Route gewählt. Allerdings hat sie uns einiges an Schweiss und viele Höhenmeter gekostet. Auf die Olivenhaine folgen Berge mit Föhrenwälder wie in Korsika. Später fahren wir über karge Hügel und in grüne Täler, deren Felder durch hohe Pappeln gefasst sind. Die Landschaft erinnert uns an Ladakh im indischen Himalaya. Und plötzlich stehen wir vor imposanten Felsformationen in rot und grün in einer wüstenähnlichen Steppe.

Gegen Abend, wenn unsere Batterien aufgebraucht sind, suchen wir uns jeweils in Strassennähe unser Nachtlager. Meistens finden wir dabei ein mehr oder weniger idyllisches Plätzchen, das von neugierigen Blicken geschützt ist und wo wir ungestört unsere verdiente Nachtruhe finden. Allerdings ist die Gegend sehr trocken und wir müssen rechtzeitig genügend Wasser tanken: Etwa fünf Liter für Trinkwasser, Kochen, Körperwäsche und Morgenkaffee. Und manchmal kommen noch zwei Efes als Zusatzlast dazu :)

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Visa-Geschichten Teil 3

13. Mai 2010 Für unseren Weg nach China fehlen noch das tajikische und das turkmenische Visum. Das erste soll gemäss unserem Informatiosstand relativ einfach zu bekommen sein. Und tatsächlich, man glaubt es kaum, innert nur einer Stunde haben wir das Ding in unseren Pässen! Der zuständige Herr in der Botschaft von Tajikistan nimmt unsere Dokumente in Empfang, wir gehen zur Bank, bezahlen den fälligen Betrag, gehen zurück und voilà. Sogar inkl. dem für die Pamir-Region notwendige Permit in Form eines zusätzlichen Stempels. So einfach könnte es doch sein! Wir fühlen uns jedenfalls in Tajikistan willkommen.

Tags darauf fahren wir zur turkmenischen Botschaft. Auch hier tönt es zu unserem Erstaunen nicht sehr kompliziert. Vor Ort müssen wir zwar noch ein Erklärungsschreiben verfassen, nach zehn Tagen sollte das Visum aber abholbereit sein, dies auch z.B. in Iran. Wir wollen jedoch nichts anbrennen lassen und beschliessen, nach der notwendigen Wartefrist für eine Stippvisite zurück nach Ankara zu fahren, per Bus natürlich.

Embassy of Tajikistan, Ferit Recai Ertuǧrul Caddesi No:20, Diplomatik Site, ORAN-Ankara, neben Pandora Mall, Tel. +90 312 491 16 07, http://www.tajikembassytr.org, 30 Tage für 25 USD, maximal 45 Tage möglich - hätten wir das vorher gewusst! Kein LOI (Letter of Invitation) notwendig, Wartezeit: 1 Stunde, GBAO-Permit problemlos erhalten. Achtung! Das GBAO-Permit wir hier mit einem Stempel ohne die Region "Murgab" ausgestellt!

 

Botschaft von Tajikistan in Genf: http://www.tajikistanmission.ch/consular-affairs.html

Embassy of Turkmenistan, Koza Sok., No:28, Çankaya, Tel. +90 312 441 71 22, http://www.turkmenistanembassy.com.tr, 5 Tage Transit für 55 USD, eigenes Begründungsschreiben notwendig, Wartezeit: 7-10 Tage, Abholung soll laut mündlicher Aussage auch direkt an Grenze oder in Mashad möglich sein

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Schlumpfland Kappadokien
20. Mai 2010 Ankara gibt mit Ausnahme der imposanten 360°-Rundsicht von der Zitadelle und dem monumentalen Atatürk-Mausoleum touristisch nicht gerade viel her. So wollten wir so schnell wie möglich wieder die Stadt verlassen, frische Luft atmen und dem Vogelgezwitscher lauschen. Auf der rechtesten der fünf (!) Fahrspuren verlassen wir die Hauptstadt. Nach 80 Kilometer dreht sich die Strasse langsam in den Wind und wir sausen mit Rekordtempo zum Tuz Gölü. Am riesigen Salzsee angekommen zählt unser Tacho stolze 130 Kilometer.



Nach 3 Tagen und 300 Kilometern bei 30 Grad erreichen wir eine der grössten türkischen Touristenattraktionen überhaupt: In Kappadokien haben sich vor Jahrhunderten die verfolgten Christen ihre Wohnungen und Kirchen in den weichen Tuffstein gehauen. Die Felsendörfer wurden teilweise bis ins 20. Jahrhundert bewohnt. Heute werden in die Tuffberge riesige Hallen für die Früchtelagerung gebohrt.
Hier in Göreme verbringen wir nun die Wartezeit auf unser turkmenisches Visum mit Wanderungen durch die imposanten Schluchten, Veloservice und ausgiebigem Faulenzen. Voraussichtlich am Montag fahren wir per Bus nach Ankara und holen das vorerst letzte Visum ab. Danach geht's weiter Richtung Südostanatolien.

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4. Juni 2010 Unter diesem Titel reiste einst Kara Ben Nemsi durch die wilde Bergwelt Kurdistans. Ganz so wild, wie es damals Karl May beschrieben hat, haben wir es allerdings nicht erlebt. Im Gegenteil: Wir werden von sehr freundlichen und stolzen Kurden empfangen. Die imposante Landschaft beeindruckt zusätzlich. Vom türkisch-kurdischen Konflikt ist zur Zeit nicht viel zu spüren.

Doch der Reihe nach. Mit dem Nachtbus und mit allen Visa bis China in der Tasche fahren wir von Ankara nach Kăhta am Fusse des Götterberges Nemrut Dağı. Übernächtigt von zwei langen Busfahrten erreichen wir in teuflischer Hitze einen kleinen Campingplatz, wo wir als einzige Gäste unser Zelt im Baumgarten aufstellen dürfen. Zusammen mit einem Chinesen fahren wir noch am gleichen Nachmittag im überteuerten Taxi auf den Gipfel des Nemrut Dağı. Hier hat sich König Antiochos I. Theos einige Jahrzehnte vor Christus gleich selbst zusammen mit Zeus, Herakles und Konsorten in Stein schlagen lassen.
Zurück auf dem Camping finden wir unsere Villa inmitten der Zeltstadt einer tschechischen Reisegruppe wieder. Da diese jedoch um drei Uhr in der Früh für den Sonnenaufgang zum Nemrut aufbrechen, dürfen wir trotzdem in Ruhe ausschlafen.



Durch eine ärmliche, aber dennoch friedliche Gegend am Fusse des Taurusgebirges kommen wir zum Atatürk-Stausee, welchen wir mit dem Feribot (türkisch für Ferryboat) überqueren. Damit fahren wir nun durch eine äusserst karge und heisse Gegend in Richtung Diyarbakır. Nach vielen Kilometern in den Beinen werden die 34 Grad im Schatten (den es hier nirgends gibt) zu viel. Ein Sonnenstich zwingt Martin in die Knie und nur mit allerletzter Kraft schaffen wir es ins rettende Hotel.
Damit verbringen wir nun die nächsten Tage in der Hauptstadt der Kurden und geniessen wieder mal die Vorzüge eines Hotels (wobei Martin nur in kleinem Masse das reichhaltige Frühstücksbuffet auskosten kann, leider). Martins Zustand, die angeblich im Neubau stehende Strasse, sowie die prognostizierten 40 Grad veranlassen uns schon wieder ein Busticket zu kaufen. Tausend Meter höher und bei mindestens 10 Grad tieferen Temperaturen verlassen wir in Tatvan erleichtert den Bus.

Unsere weitere Veloroute führt durch malerische Gebirgstäler südlich des Vansees nach Van. Unterwegs machen wir einen Ausflug auf die Insel Akdamar. Diese beherbergt die über tausend Jahre alte armenische Kirche, welche als letzter Rest der Klosteranlage die türkische Zerstörungswut überlebt hat. Hier kommt besonders gut die grün-blaue Farbe des Van Gölü zur Geltung. Dessen Wasser ist so stark alkalisch, dass es sich seifig anfühlt.





Nördlich des Sees führt unsere Strasse durch bizarre Lavalandschaften zum Tendürek-Pass direkt am gleichnamigen Vulkan. Die lange Abfahrt bringt uns nach Doğubayazıt am Fusse des Ağrı Dağı. Auf dem Gipfel des Ararats soll einst die Arche Noah gestrandet sein.
Hier, 35 Kilometer vor der Grenze, bereiten wir uns nun auf die Einreise nach Iran vor und optimieren unser Gepäck. Der 800 Gramm schwere Reiseführer hat nun endlich ausgedient :-)




 

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19. Juni 2010 Insgesamt 42 Tage verbrachten wir in der Türkei. Dabei haben wir so einiges an lokalen Besonderheiten und Kuriositäten erlebt.

Nationales Kulturgut ist der Çay. Dieser wird in kleinen bauchigen Gläsern mit schlankem Hals serviert und mit Vorliebe mit viel Zucker und auf viel zu kleinen Stühlen getrunken. Unmöglich mitzuzählen, wie viele wir davon genossen haben, die meisten davon auf spontane Einladungen.

Das Brot dagegen kann man nicht wirklich als nationales Highlight ansehen. Gerne wüssten wir, wieviele Kubikmeter wir davon gegessen haben. Luftig und knusprig ist das Weissbrot nur ganz frisch; verstaut in unseren Taschen, wird es flach und gummig. Bestens geeignet ist es allerdings für Döner. Und: Döner macht schöner! Wir glauben daran und fühlen uns schon extrem gut.

Als weitere Kulturgüter würden wir (abgesehen von den alten Steinen) die unzähligen Nationalflaggen, das desinfizierende Zitronenwasser für Hände und Gesicht, sowie das Hupen sämtlicher Verkehrsteilnehmer bezeichnen.

Smalltalk. Viel mehr liegt leider nicht drin. Erstens sprechen wir nur ganz wenig türkisch, und zweitens interessieren sowieso nur die Antworten auf folgende Fragen: Woher? Name? Verheiratet? Baby? Nein? Wieso nicht? Auf letzere Frage haben wir es aufgegeben, eine Erklärung zu finden. Verheiratet und keine Kinder? Unmöglich. So sagen wir jeweils einfach, dass wir ein paar davon in die Tasche gesteckt hätten. Das hilft.


Die Türkei ist das Land, wo alles Schöne "güsel" ist. Und das sagen wir natürlich auf immer schön brav, alles andere wäre Landesverrat: Evet, İsviçre güsel, Türkiye güsel. Und dazu immer alle fünf Finger zusammen nach oben halten. Obwohl das natürlich längst nicht in jedem Falle zutrifft: Da wären zum Beispiel die abermillionen Plastiksäckli, die die Landschaft schmücken und die himmeltraurige Asphaltqualität der Strassen. Hier wird einfach ein grober Schotter auf den neuen und schön feinen Belag geklebt. Durch den Schwerverkehr verabschieden sich die Steinbrocken dann langsam an den Strassenrand und es bleibt eine äusserst angenehme Waschbrettpiste.

Ach ja, von den berühmten agressiven Hunden haben wir keinen einzigen gefunden: Alle waren zam und scheu, oder lagen steiff und übelriechend am Strassenrand...

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 © weitweg.ch | letzte Aktualisierung: 24.04.2014